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Fledermäuse live und nicht im Kino
„Fledermäuse brauchen eine Lobby.“ Knapp und
klar fasst Ilona Bausenwein ihre Arbeit und den Zweck der zehnten
europäischen Fledermausnacht, genannt Batnight, zusammen. Vom 26. auf
den 27. August bieten alle europäischen Fledermausschutzgruppen
Veranstaltungen rund um das fliegende Säugetier an.
Dass Fledermäuse noch immer besonderen Schutz brauchen, steht für
die Physische Geographin Bausenwein außer Diskussion. „Sie werden nach
wie vor Opfer menschlicher Attacken“, beklagt die Tübinger
Fledermausschützerin. „Das Unglück der Tiere ist das Wort Maus in ihrem
Namen“.
Nach Bausenweins Erfahrungen haben besonders Menschen aus dem
südosteuropäischen Raum noch immer eine große, mit Aberglauben
vermischte Furcht vor den Tieren. Es gebe immer mehr Fledermäuse, die
durch Angriffe des Menschen verletzt würden, hat die Tübingerin
festgestellt. In ihrer Wohnung pflegt sie derzeit rund 60 der
nützlichen Flieger. Aus der ganzen Region, ja sogar aus Hannover,
München oder Nordrhein-Westfalen würden Patienten auf Bausenweins
„Fledermausintensivstation“ gebracht. Sie werden mit Vergiftungen
eingeliefert, mit Knochenbrüchen, haben auch schon mal eine
Lungenentzündung oder Angina. Liebevoll und oft mit Mühe hat Ilona
Bausenwein schon tausende der Tiere aufgepäppelt und gesundgepflegt.
Die Genesung dauert zwischen einer Woche und drei Jahren.
Die Tiere würden dann, wenn möglich, erneut ausgewildert, berichtet
Bausenwein. „Fledermäuse sind sehr schützenswert, sie sind nützlich,
fressen Stechmücken und andere Insekten.“ Auch gelten die Tiere als
hervorragende Bioindikatoren. Das Fazit der Tierschützerin: „Wo eine
Fledermaus lebt, kann auch ein Mensch leben“.
Auf ihren Vorträgen, die Ilona Bausenwein zusammen mit einem ihrer
Dauerbewohner, der invaliden Mausohrfledermaus Carlo bestreitet,
versucht sie aufzuklären. Dennoch: „Ich komme mir vor, als würde ich
seit 17 Jahren auf der Stelle treten“, beklagt die Fledermausexpertin.
Erst kürzlich seien in der Region wieder Fälle von Vergiftungen
aufgetreten. „Vermutlich ist da wieder ein neues Pflanzenschutzmittel
auf dem Markt, das den Tieren schadet.“
Die europäische Batnight soll helfen, in der Bevölkerung vorhandene
Vorurteile gegen die Jäger der Dunkelheit abzubauen. „Die Leute glauben
immer noch, dass Fledermäuse einem in die Haare fliegen, oder dass
Männer eine Glatze bekommen wenn ihnen eine Fledermaus auf den Kopf
pinkelt.“ Ammenmärchen, gegen die Ilona Bausenwein seit vielen Jahren
im Verein „Freunde der Schlossfledermäuse“ ankämpft.
Auch für Häuslebesitzer und -bauer bieten die Fledermausfreunde
Beratung an. „Es kommt schon mal vor, dass jemand eine
Fledermauswochenstube im Rolladenkasten hat und sich deswegen ärgert“,
weiß Ilona Bausenwein. Sie berät dann, erklärt beispielsweise, dass der
Spuk nach einiger Zeit vorbei ist, wenn die Tiere die Wochenstuben
verlassen.
Zur Batnight 2006 in Tübingen wird es denn nicht nur eine normale
Fledermausführung geben. Als Höhepunkt sollen am Samstagabend zwischen
20 und 30 Fledermäuse vor den Augen der Zuschauer ausgewildert werden.
Artikel von Alexander Maier
Artikel aus "Readers Edition": http://www.readers-edition.de
Link zum Artikel: http://www.readers-edition.de/2006/08/25/batnight-fledermaeuse-live-und-nicht-im-kino/
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